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INKLUSION als ’Pädagogik der Vielfalt‘

Auf dem Weg zu inklusiven pädagogischen Prozessen

Die Mitarbeiter/innen der evangelischen Kindertagesstätte Wackelzahn unterstützen und fördern die ihnen anvertrauten Kinder im Geist des Evangeliums: Jedes Kind ist vor Gott gleich und einmalig und von Geburt an beschenkt mit allen Begabungen, die es zur Entfaltung und Gestaltung seines Lebens benötigt – unabhängig von seiner sozialen, kulturellen und religiösen Herkunft.
Somit verstehen alle Mitarbeiter/innen und Kooperationspartner der Kita Wackelzahn mit ihrem angeschlossenen Ev. Familienzentrum unter ‚Inklusiver Bildung und der Zusammenarbeit mit der ganzen Familie‘:
→ Erleben eines positiven Menschenbildes unabhängig davon, welche Kompetenzen/ Fähigkeiten aber auch Schwierigkeiten die Kinder/Eltern haben.
→ Förderung des kulturübergreifenden Zusammenlebens, des sozialen Miteinanders als Grundlage für die Gestaltung von ganzheitlichen Lern- und Bildungsprozessen.
→ Unter Berücksichtigung der Verschiedenheit der Kinder bezüglich ihrer individuellen Persönlichkeit, ihrer Herkunft und ihres Geschlechts diversifizierte Lern-Anreize im Rahmen des päd. Kita-Alltags und eines sinnlich-anregenden, ganzheitlichen Raumgestaltungskonzepts für eine konstruktiv-positive, altersadäquate körperliche, geistige und soziale Entwicklung der Kinder schaffen.
→ Partizipation – Kinderkonferenzen, die täglichen Morgenkreise und der ‘Offene Tag‘: Die Kinder bestimmen und planen Angebote/Projekte mit und sind somit in gemeinschaftlicher wie in Eigenarbeit mitverantwortlich für deren ’gutes‘ Gelingen – v. a. am Offenen Tag, wenn alle Räume allen Kindern offen stehen!
→ Gezielte, mit Eltern wie Therapeuten gemeinsam abgestimmte Förderung unserer Kinder mit Einschränkungen/Behinderungen bzw. derer, die von Behinderung bedroht sind, um jedem Kind die Teilhabe an (nahezu) allen Angeboten/Aktivitäten unseres Hauses zu ermöglichen.
→ Erlernen und Erleben des gegenseitigen Respekts: Kompetenzen, Erfahrungen und Vorstellungen der Eltern werden durch Erstgespräche und ggf. Hausbesuche kennengelernt und wertgeschätzt.
→ Berücksichtigen wechselnder, flexibilisierter Bedarfssituationen und gestiegener Ansprüche/Erwartungshaltungen der Eltern: Erstellen von Leistungen & Angebote im Wackelzahn/Ev. Familienzentrum Lohbrügge u. a. anhand von Bedarfsermittlungen bzw. Elternbefragungen.
→ Mitarbeit/Mitbestimmung des ‚Elternrats‘: Interessierte Eltern der aus 10 bis 14 Eltern bestehenden Elternvertretung nehmen an unseren regelmäßigen betriebsinternen Konzeptionsfortbildungen/Studientagen teil und pflegen auch sonst einen regen Austausch mit der Einrichtungsleitung und den päd. Fachkräften.

Grundsätze und Ziele

Ein wesentlicher, auf dem Evangelium basierender Grundsatz der pädagogisch-konzeptionellen Ausrichtung des Evangelischen Familienzentrums Lohbrügge mit seiner Kita Wackelzahn lautet: Kinder sind in ihrer Einzigartigkeit ein Geschenk Gottes. Vor Gott sind alle Kinder gleich – und somit (zunächst einmal) losgelöst davon zu betrachten, ob Entwicklungsauffälligkeiten/-verzögerungen bzw. auch Behinderungen schwereren Grades in ihrer Persönlichkeitsentwicklung vorliegen.
Aufgrund ihrer von uns wertgeschätzten Einzigartigkeit werden alle Kinder in der Kita Wackelzahn gleichberechtigt behandelt: Gerade von Behinderung bedrohte oder betroffene Kinder sind gemäß der christlich orientierten Ausrichtung dieses Familienzentrums mit seiner Kita Wackelzahn ein unabdingbarer Bestandteil unserer Gemeinschaft, unseres Zusammenlebens.
Damit auch alle Kinder gleichermaßen zu ihrem Recht auf eine selbstbestimmte, intrinsisch motivierte, eigenaktive Persönlichkeitsentwicklung kommen, werden sie von den päd. Fachkräften des Wackelzahn in unterschiedlicher Intensität begleitet. Gemeinsam widmen wir uns
→ dem Erleben eines positiven Menschenbildes, egal welche Fähigkeiten oder Schwierigkeiten die Kinder gegenseitig bei sich wahrnehmen
→ der Möglichkeit, ohne Hemmungen auf einen Menschen mit Behinderung zuzugehen und gemeinsam mit ihnen zu wachsen, ‚groß‘ zu werden, und somit
→ dem Zusammenleben und –erleben, dem bejahenden sozialen Miteinander auf Grundlage des gegenseitigen Respekts.
Es gibt zwei Gruppen von Integrationskindern – zum einen die von Behinderung bedrohten Kinder, zum anderen das behinderte Kind. Dementsprechend werden die pädagogischen (und therapeutischen) Betreuungsmaßnahmen und Zielvereinbarungen differenziert: Bei von Behinderung bedrohten Kindern werden die zumeist vorliegenden Entwicklungsverzögerungen weitestgehend in gemeinsamen, interaktiv gestalteten pädagogischen Prozessen wieder aufgeholt – bei behinderten Kindern geht es zu allererst einmal darum, sie soweit wie möglich einen selbstbestimmten und selbst gestalteten Alltag erleben zu lassen, sie für ein eigenes Leben so weit wie möglich stark und kompetent zu machen.

Bildung für alle durch qualifizierte PädagogInnen/Therapeuten

Damit jedem Kind die Teilhabe an möglichst allen Angeboten/Aktivitäten unseres Hauses offen steht, müssen wir den individuellen Beeinträchtigungen und den damit verbundenen Problemen eines Kindes dort begegnen, wo sie im normalen (Kita-)Alltag auftreten. Durch
→ die durch Erkenntnis und Verständnis geprägte Beziehung der (heilpädagogisch qualifizierten) Bezugsperson/Erzieherin zu ‚ihrem‘ (Paten-)Kind
→ die durch Erkenntnis und Verständnis geprägten Beziehungen möglichst aller pädagogischen und hauswirtschaftlichen Fachkräfte dieser Einrichtung zu den betroffenen Kindern und Eltern
→ kontinuierliche Beobachtungen und systematisierte Dokumentationen
→ die Kommunikation bzw. den regelmäßigen fachlichen Austausch der Wackelzahn-PädagogInnen mit den Eltern und den Therapeuten
werden Behinderungen, die bsplsw. in einer körperlichen Beeinträchtigung oder in einer eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit liegen, bei der Gestaltung des pädagogischen Alltags grundsätzlich berücksichtigt. Um sich entwicklungsfördernde Kompetenzen anzueignen, benötigen Kinder mit Behinderungen mehr Zeit, mehr Wiederholungen und somit insgesamt eine stärker ausgeprägte Kontinuität im Vorhalten pädagogisch-therapeutischer Angebote bzw. Leistungen (und bei Bedarf auch individuell-spezieller, pädagogisch-therapeutischer Materialien/‘Hilfsmittel‘).
Ein Schwerpunkt der integrativ-pädagogischen Arbeit liegt v. a. in der Förderung/Unterstützung der Kinder, Dinge bzw. Rituale des alltäglichen Lebens so weit wie möglich eigenständig bewältigen zu können – sei es beim An- und Ausziehen, beim Essen, Waschen, beim Toilettengang, beim Spiel oder in der kommunikativen Interaktion mit anderen Kindern und Erwachsenen.

Pädagogische Qualifikationen/Ressourcen der Kita Wackelzahn

Kinder mit einem I-Status sind in der Ev.-Luth. Kindertagesstätte willkommen. Es gehört zum Selbstverständnis aller Mitarbeiter/innen dieser Kita mit ihrem angeschlossenen Ev. Familienzentrum, diese Kinder in ihrer weiteren Persönlichkeitsentwicklung optimal mit der gebotenen Fachlichkeit zu unterstützen und ihren Eltern ein kompetenter Partner zu sein. Die pädagogische Arbeit mit Integrationskindern braucht das gesamte Team, ist eine Herausforderung für alle Wackelzahn-Mitarbeiter/innen, nicht nur für die heilpädagogisch qualifizierten Kräfte.
Der Wackelzahn verfügt z. Zt. über drei heilpädagogisch ausgebildete Vollzeitkräfte. Ihnen obliegt die pädagogische Kernarbeit an und mit den I-Kindern – in Kooperation mit den Eltern und Therapeuten. Dabei betreuen zwei der drei Wackelzahn-Heilpädagoginnen bis zu vier Integrationskinder in gegenwärtig zwei Integrationsgruppen – immer in Abhängigkeit vom Grad bzw. von der Schwere der Beeinträchtigung/Behinderung der aufgenommenen I-Kinder. Die dritte heilpädagogische Fachkraft unterstützt bei Bedarf die Förderung v. I-Kindern in unserer Vorschulgruppe bzw. im Vertretungsfall in den I-Gruppen. Je nach Nachfrage/Bedarf wäre der Aufbau einer 3. I-Gruppe bereits in 2015/2016 umsetzbar, sodass dann in drei unserer vier Elementargruppen Integrationskinder betreut werden können.
Dazu wird eine vierte Vollzeiterzieherin des Wackelzahn bis 2016 eine heilpädagogische Zusatzqualifikation absolvieren…
Das pädagogische Handeln der Wackelzahn-(Heil-)Pädagoginnen hat zum unbedingten Ziel, dass sich die Kinder so eigenaktiv wie möglich durch den Kita Alltag bewegen, diesen mitgestaltend bereichern und sie somit ihre eigene Person und Fähigkeiten so positiv wie möglich erleben können. Die Bedürfnisse der Kinder nach Geborgenheit, Akzeptanz, Wertschätzung, nach eigenverantwortlichem autonomen Handeln werden von allen pädagogisch-therapeutischen Akteuren anerkannt und gefördert. Sie haben Vertrauen in die unterschiedlichen Fähigkeiten des jeweiligen Kindes, bauen auf Vorhandenem auf und geben jedem Kind ausreichend Zeit für die Entwicklung seiner individuellen Kompetenzen.
Dabei profitieren unsere I-Kinder ebenso vom Prinzip einer Offenen Raumkonzeption. Kinder mit Beeinträchtigungen/Behinderungen sind in besonderer Weise auf eine angemessene Raumgestaltung, ein adäquates Raumangebot angewiesen. Die päd. Räume/Bereiche in der Kita Wackelzahn sind so eingerichtet, dass sie den in den Hamburger Bildungsempfehlungen zusammengefassten Bildungsbereichen bzw. Handlungsfeldern und den dazu vorgeschlagenen inhaltich-methodischen Lernzielen gerecht werden: Die dort vorhandenen Angebote bieten v. a. auch unseren I-Kindern ausreichend Anreize zum selbständigen, eigenverantwortlichen Tun!
V. a. die beiden Bewegungsbereiche im Erd- und Obergeschoss mit den Aufhängungen für Schaukel- und Schwingelemente, mit unterschiedlichen Kletter-, Balancier- und Baumöglichkeiten oder mit den Gymnastikbällen, Schwungtüchern, Sprungseilen und -matten bieten vielfältige Anreize bzw. ‚Hilfsmittel‘ für die Arbeit der Ergo- & Physiotherapeuten – sowohl für die Kleingruppen- als auch für die Einzeltherapie. Für die Logopäden stehen ebenfalls räumliche Ressourcen zur Verfügung – bsplsw. ebenfalls der Multifunktionsraum und der Beratungsraum im Obergeschoss.

Beobachten und Dokumentieren

Die Wackelzahn-PädagogInnen sehen sich als objektiver, aktiver, verlässlicher Begleiter, den Willen und das jeweilige Potential zur Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Kindes individuell anzusprechen, zu unterstützen bzw. zu fördern. Sie bieten jedem Kind individuell zugeschnittene pädagogische Rahmenbedingungen, damit es seine Bedürfnisse erkennen bzw. wahrnehmen und entsprechend ausdrücken bzw. ausleben kann und ggf. in der Lage ist, diese im Rahmen sozial-kommunikativer Interaktionsprozesse situations- bzw. handlungsbedingt auch zurückstellen zu können, soll heißen: die Bedürfnisse der anderen Kinder – je nach seinen Fähigkeiten – wahrzunehmen, einzuschätzen und zu akzeptieren lernt.
Dafür beobachten die Pädagoginnen die Kinder während der alltäglichen Kita-Abläufe, -Rituale und -Angebote individuell sehr genau und ermitteln bzw. dokumentieren, welche Bedürfnisse die Kinder haben und welchen entsprechenden pädagogischen ‚Input‘ sie für ihre Alltagsgestaltung und -bewältigung benötigen: Durch das Beobachten und dem damit verbundenen Dokumentieren werden somit die individuellen Entwicklungsziele identifiziert, der dafür angemessene persönliche Förderbedarf für jedes Kind festgelegt und dieser in ständigem Austausch bzw. in interaktiven Settings mit dem Kind, mit den Eltern und den Therapeuten anhand der dazu erstellten Fördermaßnahmen/-pläne und Entwicklungsberichte regelmäßig überprüft, abgestimmt und ggf. angepasst. (Analog zu den betroffenen Eltern erleben die heilpädagogisch qualifizierten Wackelzahn-Mitarbeiterinnen das jeweilige Kind den Großteil seines Alltags und können anhand der in kontinuierlichen Beobachtungen gewonnenen Erkenntnisse die entsprechenden medizinisch-therapeutischen Maßnahmen vor Ort pädagogisch angemessen ergänzen).
Die individuellen Förderpläne und Entwicklungsberichte werden regelmäßig von den heilpädagogischen Fachkräften, unterstützt durch die Kita-Leitung, erstellt und von den betroffenen Eltern beim jugendpsychatrischen Dienst des Gesundheitsamtes eingereicht. Dadurch wird u. a. der Anspruch und Bedarf für zusätzliche therapeutische Hilfen im Rahmen der Kita-Betreuung bestätigt bzw. neu festgelegt.

Das therapeutische Angebot: Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Institutionen/Therapeuten

Die integrative Interaktion von pädagogischem und therapeutischem Handeln ist ständig auf die Gesamtentwicklung des Kindes ausgerichtet: Das therapeutische Angebot wird in den Alltag der Kinder integriert und auf diese Weise in der Form mit einbezogen, dass die Kinder nicht ständig das Gefühl haben therapiert zu werden. Es wird dabei die ganze Persönlichkeit(sentwicklung) des Kindes gesehen und nicht nur der zu fördernde Anteil – gerade diese Kinder benötigen nicht nur Therapie, sondern auch Zeit zum Spielen, zum Erleben, zur Persönlichkeitsentwicklung durch inklusive pädagogische Settings in einer Kita.
Für die Förderung von Kindern mit Behinderungen ist eine gute professionelle Zusammenarbeit aller Beteiligten – Kita-Leitung, Wackelzahn-Pädagoginnen sowie sämtliche erforderliche therapeutische Professionen (Logo-/Lern-/Ergo- oder Physiotherapie bzw. Krankengymnastik) – nötig. Voraussetzung für eine dialogische Zusammenarbeit der verschiedenen beteiligten Berufsgruppen ist eine Verständigung über eine gemeinsame pädagogisch-therapeutische Herangehensweise. Es können unterschiedliche Auffassungen über die individuellen Entwicklungszustände eines jeden Kindes existieren – wichtig ist die Wahrnehmung, Achtung und gemeinsame Reflexion dieser unterschiedlichen Sichtweisen: Dem gesamten päd.-therapeutischen Integrationsprozess muss ein verbindlicher Konsens über das Ziel des nachhaltigen Aktivierens von Eigeninitiative des Kindes im Entwicklungsprozess zugrunde liegen – die Kompetenzen und die Autonomie des Kindes werden anerkannt und soweit wie möglich gefördert. Dabei werden die einzelnen Therapien bzw. Therapeuten mit ihren jeweiligen Kompetenzen in den (Kita-)Alltag des Kindes mit einbezogen. (Und je nach individueller Situation, Stimmungs- bzw. Problemlage einzelner Kinder sind die (heil-)pädagogischen Mitarbeiterinnen der Kita regelmäßig auch ohne therapeutische Unterstützung gefordert…)
Die Einbeziehung der Therapeuten (und der Eltern) z.B. auch bei Unternehmungen außerhalb der Kita ist – wenn die entsprechenden Ressourcen vorhanden sind – ausdrücklich erwünscht, da auch deren Einbeziehung in solcherlei Alltagssituationen günstige Voraussetzungen zu weiteren positiv erfahrenen Therapieeinheiten bei den betreffenden Kindern ermöglichen können. Dadurch unterstützen die Therapeuten die (Heil-)Pädagoginnen in ihrem Bestreben, das Kind in alle Projekte mit einzubeziehen, damit dieses sich selbst als vollwertiges Mitglied einer Gruppengemeinschaft fühlen bzw. erleben kann.
Ferner werden bei Bedarf entsprechende Kontakte zu Kinderärzten, Fachpraxen, Kinderkrankenhäusern, Sozialpädiatrischen Zentren (u. a. das Werner-Otto-Institut) und anderen Spezialeinrichtungen aufgenommen: Jeder Kontakt bzw. jede Form der interdisziplinären Zusammenarbeit findet immer nach vorheriger Einverständniserklärung der Eltern statt!
Die Kita-Leitung versucht für die nötigen Rahmenbedingungen zu sorgen, damit eine verbindliche, interdisziplinäre Zusammenarbeit umgesetzt werden kann. D.h., es gibt prinzipiell Zeiten
→ für den allgemeinen und fachlichen Austausch – unabdingbar für das Erstellen der Förderpläne/Entwicklungsberichte
→ für regelmäßige Reflexionen und Überprüfung der Entwicklungsziele zwischen den verschiedenen beteiligten Professionen
→ für gemeinsame Beobachtungszeiten mit den TherapeutInnen bei sehr auffälligen Kindern
→ für ausreichende Gesprächszeiten mit den Eltern

Elternarbeit: Erstgespräche & Eingewöhnung

Der Zusammenarbeit der Wackelzahn-PädagogInnen mit den Eltern liegt die Erkenntnis zugrunde, dass Eltern mit behinderten Kindern prinzipiell eine individuelle Vor-Geschichte mitbringen, die u. a. geprägt sein kann durch Krankenhausaufenthalte, Sorgen um die Gesundheit des Kindes, starke körperliche Belastungen, psychischen Stress und schließlich durch die Sinn-Frage bezüglich der Tatsache eines behinderten Kindes in einer Familie überhaupt: „Warum ausgerechnet unser Kind?!“
Diese Erkenntnis hilft, das Zusammenleben innerhalb der Familie und etwaige Verhaltensweisen der Eltern, kurz: die Familienbiografie zu verstehen und bei schwierigen Entscheidungen – bsplsw. bezogen auf Integrationsprozesse innerhalb der Familie oder bei der Suche nach und in der Zusammenarbeit mit Therapeuten – Ratgeber und Entlastung zugleich für die Eltern zu sein. Denn: Der Alltag mit einem behinderten Kind in der Familie ist anders!
Die Eltern sind grundsätzlich die wichtigsten kompetenten Gesprächspartner für die Heilpädagogin und zukünftige Patin: Im Erst- und Zweitgespräch mit den Eltern findet zunächst ein grundlegender Austausch zum einen über das Kind selbst und das alltägliche Zusammenleben mit ihm und zum anderen über die pädagogischen Möglichkeiten/Ressourcen der Kita Wackelzahn statt. Die Eltern werden kompetent darüber informiert, wie – je nach Art und Weise und Grad der Behinderung – die zukünftige pädagogische, integrativ-inklusive Arbeit mit ihrem Kind und die damit verbundenen methodisch-didaktischen Anforderungen inkl. entsprechender therapeutischer Maßnahmen vor Ort aussehen könnten (so muss bsplsw. ggf. die Verabreichung von Medikamenten und die Versorgung mit päd.-therapeutischen Hilfsmitteln geklärt werden).
Die Eltern sollen davon überzeugt sein, dass die zukünftige Patin (und auch alle anderen Fachkräfte dieser Einrichtung!) sich gut, soll heißen: pädagogisch kompetent, angemessen und einfühlsam um ihr Kind kümmern wird und somit alle Beteiligten sich im Wackelzahn sehr wohl fühlen werden.
Dabei findet der Eingewöhnungsprozess – wie bei allen Krippen- und Elementarkindern auch – nach dem Berliner Modell statt, das den PädagogInnen in geeigneter Weise ermöglicht, in Abstimmung bzw. Zusammenarbeit mit den Eltern individuell auf den Entwicklungsstand und die Behinderung des jeweiligen Kindes einzugehen: So könnte in Abhängigkeit von den Beeinträchtigungen bei einem Kind eine von den Eltern intensiv begleitete längere Eingewöhnungszeit erforderlich sein. Trotz dieser möglicherweise verlängerten Eingewöhnungszeit sollten die Eltern damit rechnen, dass es bei dem Kind während der Trennung zu Tränen kommen kann. Sie sollten der zukünftigen Patin vertrauen, dass sie ihr Kind kompetent durch diese Zeit begleitet und ein Gespür dafür hat, ihr Kind nicht zu überfordern. Bei sehr vielen Kindern ergeben sich im Laufe der Eingewöhnungszeit wenige bis mehrere Krisenmomente: Die Bewältigung solcher Situationen gehört zur Weiterentwicklung ihres Kindes dazu – das Kind schafft sich im Zusammenwirken mit seiner Patin und seinen Eltern entsprechende Resilienzkompetenzen.